NICHTS DAVON STEHT FEST [11/12]

11.

der technokratische Apparat übt sich im Einfädeln einer (durchsichtigen) Intrige einer Verleumdung oder Denunziation der Druck auf das Individuum muss so gross sein dass es von selbst aufhört still wird schliesslich soll alles ohne Lärm über die Bühne gehen

der Alptraum einer Kleptokratie nicht in Ruhe ihre Reichtümer anhäufen zu können

ich war es leid dass sie sagen konnten was sie wollten und sie konnten natürlich nicht genug kriegen von ihren Lügen sie logen einfach so drauf los wie es ihnen in den Kram passte das war ihre Art

ihre Strategie das es sich machtpolitisch auszahlte oder finanziell und als sie nach dem Auftritt in der Kirche vor den geil gierigen Augen der Popen des Patriarchen schliesslich ihnen den Mund verboten

und sie in eins der unzähligen Lager schickten wo man verrecken konnte was selbstverständlich beabsichtigt war

aber sie nannten es einfach Umerziehung zum Wohl der Gesellschaft nähte ich mir zum Zeichen meiner Solidarität den Mund zu zum Zeichen dass sie damit auf keinen Fall durchkommen würden dass wir auf jeden Fall aufstehen und laut unsere Meinung hinausschreien

uns eben mit Nadel und Faden das Maul zunähen würden auch die Wirtschaftspartner im Westen die immer noch der Profite wegen unser Land als eine lupenreine Demokratie bezeichnen die Schwachköpfe

unser Staunen über die politischen Zustände ist längst kein philosophisches mehr

und als ich merkte das ich hätte aufstehen sollen blieb ich sitzen

zischte Verwünschungen über den gedeckten Tisch und spuckte auf die Etikette der Gastgeberin die gerade eine neue Fleischplatte servierte

und das Staunen ist übergegangen in die Ideosynkrasien des Schwarzen Blocks unempfänglich für den Atem der Geschichte

die grossen Siege werden durch die ganz kleinen vorbereitet

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NICHTS DAVON STEHT FEST [9/10]

9.
ohne im geringsten Wert zu legen auf das was man Leben nennt

sprechen wir von den Zyklen der Ausbeutungs- und Akkumulationshistorie des Kapitalismus

denn in einer genealogischen Gegenwart sind wir nichts als Kontingenz Ephemeres auf der Suche nach den immer wieder neu ansetzenden Taktiken des Kampfes

darum auch die rasende Ungeduld jene Linearität des Scheiterns aufzubrechen der immer wieder aufs neue zerstörten Hoffnungen

wir wollen nicht regiert werden das kann doch nicht so schwer nachzuvollziehen sein niemand hat für uns zu sprechen den wir nicht dazu ermächtigen

diese Seite ist nicht sicher

ausgehend von der Notwendigkeit einer neuen Rhetorik und der sozialen Teilhabe des Fussvolks
geknüpft an Ereignisketten multipler Dauer

liesse sich mit dem Handel von Häuten Kaffee Weihrauch Moschus einiges verdienen frisst der Transport bis zum Hafen vieles davon auch wieder auf

man rechnet damit sich 3/4 seines Lebens zu plagen um im letzten Viertel endlich seine Ruhe zu finden aber wer erreicht die letzte Etappe so dass Genuss sich daraus ziehen liesse

durch Arbeit und dem Verrat der Kopfhaut wird das Haar weisser und weisser dass er befürchtet auszusehen als trage er eine gepuderte Perücke

am Anfang war die Beleidigung

die Erziehung des Herzens ist eine Zeitverschwendung

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NICHTS DAVON STEHT FEST [7/8]

7.

nichts fehlt in dieser Öde (kein Körnchen Hass zuviel)
die Furcht dass das nicht ausreicht niemals reichen kann

die Furcht des Körpers der Stimme
die Furcht jedes einzelnen Körperteils des Hinterns vor dem Verweilen der Lahmarschigkeit

das fehlende Feuer das du selbst entfachen musst vom Arsch zur Kehle dein Schrei

schon seit einiger Zeit den Blick nur aus ungünstigen Positionen

aber der Dichter richtet sich ein im Dissens

und ein Mensch der schreit ist keine Lappalie

in einer Gesellschaft die seit Jahrzehnten ihre Agonie hinauszögert oder längst den Zenit des real Erträglichen überschritten hat

fällt ein Schrei mehr oder weniger nicht ins Gewicht

Hier du Scheissanfang-vom-Ende-der-Welt! Hier sind wir! Und jetzt! Was willst du? Deine billige Wiederkehr des ewig Gleichen? Gähn! Schmähungen des Tages? Lobpreisungen der Nacht? Die falsche Rechtschaffenheit der Vormittage? Die Prunksucht eurer Abende?

also bricht man auf um die Welt zu bewohnen in der die zersplitterten Teile merkwürdigerweise immer noch ein Ganzes ergeben

ein Prozess in Bewegung mit dem man nur Schritt halten kann indem man in sich geht

jeden Augenblick kommen und gehen die Dinge an dir vorüber überall und zur gleichen Zeit
es macht keinen Unterschied wo du dich befindest

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NICHTS DAVON STEHT FEST [5/6]

5.

die Jugend hat es immer eilig

und ihre Proteste haben die Macht völlig unvorbereitet getroffen

ich weiß nicht was Dichtung anders sein könnte als die Revolte eines Einzelnen gegen die absurden Einlassungen und Gesetze des Establishments und der Widerstand gegen eine fatalistische Vorstellung von Ordnung

das Innere meines Wesens richtet sich gegen das Äussere

während mir genau dies eine Leben bleibt stelle ich fest dass ich selbst der Einsatz bin um den ich spiele

ihr Kretins lasst uns in Ruhe

die grossen Siege werden durch die ganz kleinen vorbereitet

Artaud (illuminiert) an Breton man kann einzig in der Sprache der Bomben Maschinengewehre Barrikaden mitsamt den Folgen die das mit sich bringt mit der Gesellschaft kommunizieren

als benötigte man vor ein paar Jahren noch viel weniger um an etwas zu glauben

einen Scheiss auf die Kunst so Artaud weiter wenn sie in schicken Galerien in Särgen Brutkästen und Vitrinen ausgestellt werden muss damit sie sich verkauft

als Zeichen des Protestes werfen die ersten Saboteure ihre Holzschuhe (sabots) in die Maschinen

man sollte einen Vorschlag aufgreifen und die Museumsbestände auf Kneipen und Cafés verteilen

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NICHTS DAVON STEHT FEST [3/4]

3.

ein Automatismus der Wiederholung und des Rausches

tausende Quadratmeter weisser Planen sollen im Sommer das Abschmelzen der Gletscher verlangsamen während man den verbliebenen Schnee von unten nach oben schiebt

unmöglich den Blick vor diesem Weiß dieser Leere abzuwenden vor der man gebannt erstarrt

das Ende der weissen Flecken
anstelle der Forscher reisen nun die Touristen an

aber Freiheit ist kein Zustand sondern etwas das nur in Bewegung erreicht werden kann

wir bilden Gruppen fürchten sie doch unser Aufbegehren

Hier sind wir!

denn alle könnt ihr nicht einsperren

man sollte einen alten Vorschlag aufgreifen und an den Straßenlaternen Schalter anbringen um das Licht nach Belieben ein- und ausschalten zu können

junge Leute die keine anderen Politiker kennengelernt haben als jene die von Anbeginn die Macht verwalten

als Zeichen des Protestes werfen sie Gummienten und alte Turnschuhe über Stromkabel Ampeln und Strassenlaternen

es ist wahr je häufiger ich etwas verabscheue umso öfter versuche ich etwas dafür zu lieben

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NICHTS DAVON STEHT FEST [1/2]

1.

aus dem Inneren des silbern glänzenden Berges zwischen Charleville und Ägypten hört man schwach das schleppende Geräusch von Dampfmaschinen

ein heiss-wässriger Dampf entfährt aus einer der Öffnungen des Tunnels der sich in kleinen flockigen Partien zu Wolken verdichtet

die in der gleissenden Sonne materialisieren und sogleich wieder sich auflösen

überall handelt man mit Bergkristallen oder seltsam anmutenden Stücken von Mineralien
die man unten in der Stadt für einen weitaus höheren Preis wieder verkauft

aber bei Schnee und zu Fuß den Pass zu überqueren ein solcher Vorsatz dass einem an Bart und Augenbrauen Eiskristalle richtige Zapfen anwachsen ist keine Kleinigkeit

die Schusswunde am Handgelenk glüht in der Eiseskälte

man bildet Gruppen die einzige Möglichkeit weiter zu kommen die richtungsgebende Wärme des Nebenmannes aufgreifend sich aufmunternd in fremden Sprachen haben alle das gleiche Ziel

unter der Kraft der Schritte neigt sich der Horizont

eine Wand aus frischgefallenem Schnee worin man bis zu den Schultern eintaucht

ein paar Jahre liegt der Aufstand zurück bei dem mehrere Arbeiter getötet wurden mehr als fünftausend die sich mit Schwarzpulver und Pickel durch den Berg frassen

jede Generation hat ihre Empfindlichkeiten

dieser monotone allgegenwärtige Schneefall den die Geräusche aus Schlucht und Tunnel wie in einem Fiebertraum vielfach trocken und dumpf durchdringen 

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COLOSSAL YOUTH / JUVENTUDE EM MARCHA

Stop the faking (Vanda Duarte)

Fuck this mountain … I rembered what Mr Lubitsch said, that the day you find out how to shoot a mountain, you will shoot a man. Uh-oh. I will never shoot a mountain. (Pedro Costa)

Erst schwarz und dann weiß ein Messer wie eine Fackel im Dunklen woran sich das Licht entzündet dann wieder schwarz für einen Augenblick Spinnen unter der Decke Schatten unter Schatten unsichtbar wie der Wechsel von Hell Dunkel Chiaroscuro im Stile Rembrandts Texturen grau-grüner Schlieren Maserungen käferfarbener Mauerflecke einer heruntergekommenen Wohnung Phantasie und Begeisterung der Bewohner im Erkennen von Formen Figuren ästhetisches Vergnügen Hingabe an Licht und Schatten schwarzer Horizont den ein weißer Vogel kreuzt dem Heraufbeschwören früherer Geister und Stimmen der Sprengkapsel wiederaufkommender Bilder nicht widerstehen zu können dann nichts mehr vielmehr der modrige Geruch feuchter Zimmerwände wie aufgehäufte schwarze Erde nass-klumpig die Verwirklichung eines kollektiven Traumes (oder Traumas?) einer abgehängten Generation in der Manifestation des Realen Schritt für Schritt jene tieferen Schichten freizulegen die Positionen wiederkehrender Erneuerung

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