Variationen auf einen Verdacht

Der Aufstand stützt die Regierungen, die er nicht stürzt. Victor Hugo

… und trotzdem –

man muss blockieren: die Knotenpunkte der Mächtigen, geil glitzernde Finanzströme, die Stimme der Lüge;

fieberhaft, unablässig greift man nach Umständen der Verweigerung …

man liebt den Sand im Getriebe, die kaum wahrnehmbaren Unebenheiten, die negativen Hände das unsichtbare Ende der moralischen Sichtweisen einschreiben  …

und jetzt sind wir keine Lakaien mehr?

wo wir das Falsche für das Echte ansehen –

jede subjektive Stimme ist angreifbar im Blabla (Diskurs) politischer Debattenbeiträge,

jede Stimme hängt an der Meßlatte einer Objektivierbarkeit,

jede Stimme wird unter Ideologieverdacht gestellt, wenn in Diskussionen auf die Alternativlosigkeit von Entscheidungen aufgrund vorgeblich ökonomischer Zwänge und hinreichend eindeutiger Fakten verwiesen wird –

was ist nur los mit mir, dass ich keinen Widerstand leiste, was ist nur los mit mir, dass ich nicht begreife,

der Fehler liegt darin zu glauben, es ginge um Lesbarkeit, als wäre die Welt etwas, das sich buchstabieren liesse, das Auge im Sprung im Schlaf auf einer Seite –

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Italienische Verhältnisse?

Mit Berlusconi ist es nicht eine einzelne Person, die die Macht ergreift, sondern eine Lebensform: die des kleinen, bornierten, emporgekommenen philofaschistischen Unternehmers aus Norditalien. Die Macht ist von Neuem ethisch begründet – begründet durch die Firma, die einzige Form der Sozialisation außerhalb der Familie -, und wer sie innehat, vertritt niemanden, vor allem nicht die Mehrheit, und sie ist eine vollkommen unterscheidbare Lebensform, mit der sich nur ein sehr kleiner Teil der Bevölkerung identifizieren kann. So wie jeder in Berlusconi den Klon des Idioten von nebenan erkennt, die konforme Kopie des miesesten Neureichen im Quartier, weiß jeder, dass er Mitglied der Loge P2 war, die aus dem italienischen Staat ein Instrument zu seinen Diensten gemacht hat.“ TIQQUN, Alles ist gescheitert (Laika Verlag 2013).

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Das ästhetische Regime

 

In gewisser Weise beginnt der Klassenkampf mit der Fähigkeit des (interesselosen) Blicks, der Arbeiter löst den Blick von der Arbeit seiner Hände, sein Blick wandert zum Fenster und erfasst die Perspektive. Er nimmt den Blick eines Ästheten, das Denken eines Ästheten ein. Das bedeutet auch, dass die Hand schliesslich ihre Funktion ändern wird, sie wird damit beginnen zu schreiben, Gedichte zu schreiben, Texte zu schreiben (der Schreiner Gauny). Das Erlangen einer ästhetischen Haltung ist die Grundlage der Möglichkeit eines gesellschaftlichen Umsturzes, weil es der Beginn des Ausgangs aus der sinnlichen Situation ist, in die die Leute eingesperrt sind. Jacques Rancière