Italienische Verhältnisse?

Mit Berlusconi ist es nicht eine einzelne Person, die die Macht ergreift, sondern eine Lebensform: die des kleinen, bornierten, emporgekommenen philofaschistischen Unternehmers aus Norditalien. Die Macht ist von Neuem ethisch begründet – begründet durch die Firma, die einzige Form der Sozialisation außerhalb der Familie -, und wer sie innehat, vertritt niemanden, vor allem nicht die Mehrheit, und sie ist eine vollkommen unterscheidbare Lebensform, mit der sich nur ein sehr kleiner Teil der Bevölkerung identifizieren kann. So wie jeder in Berlusconi den Klon des Idioten von nebenan erkennt, die konforme Kopie des miesesten Neureichen im Quartier, weiß jeder, dass er Mitglied der Loge P2 war, die aus dem italienischen Staat ein Instrument zu seinen Diensten gemacht hat.“ TIQQUN, Alles ist gescheitert (Laika Verlag 2013).

Man könnte durchaus Berlusconi durch Trump und die italienischen Verhältnisse und Institutionen durch die amerikanischen ersetzen. Für die meisten Politiker sind diese Verhältnisse ideal, besondere Zeiten (Krisen) verdienen außergewöhnliche Maßnahmen (Ausnahmezustand). In den Händen von Krisenmanagern, Experten, Wirtschaftsfachleuten mit ihrem zweifelhaften Demokratieverständnis , dient das, was sie unter Politik verstehen nur zu ihrer Beseitigung. Viel zu häufig wird im gesellschaftlichen Diskurs gegen die Demokratie Stellung bezogen. Demokratie ist die Herrschaft derer, die weder einen Anspruch auf sie, noch eine spezifische Eignung dafür besitzen. Rancière sieht Politik erst dort verwirklicht, wo der Anteil der Anteillosen zum Vorschein kommt.

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