NICHTS DAVON STEHT FEST [7/8]

7.

nichts fehlt in dieser Öde (kein Körnchen Hass zuviel)
die Furcht dass das nicht ausreicht niemals reichen kann

die Furcht des Körpers der Stimme
die Furcht jedes einzelnen Körperteils des Hinterns vor dem Verweilen der Lahmarschigkeit

das fehlende Feuer das du selbst entfachen musst vom Arsch zur Kehle dein Schrei

schon seit einiger Zeit den Blick nur aus ungünstigen Positionen

aber der Dichter richtet sich ein im Dissens

und ein Mensch der schreit ist keine Lappalie

in einer Gesellschaft die seit Jahrzehnten ihre Agonie hinauszögert oder längst den Zenit des real Erträglichen überschritten hat

fällt ein Schrei mehr oder weniger nicht ins Gewicht

Hier du Scheissanfang-vom-Ende-der-Welt! Hier sind wir! Und jetzt! Was willst du? Deine billige Wiederkehr des ewig Gleichen? Gähn! Schmähungen des Tages? Lobpreisungen der Nacht? Die falsche Rechtschaffenheit der Vormittage? Die Prunksucht eurer Abende?

also bricht man auf um die Welt zu bewohnen in der die zersplitterten Teile merkwürdigerweise immer noch ein Ganzes ergeben

ein Prozess in Bewegung mit dem man nur Schritt halten kann indem man in sich geht

jeden Augenblick kommen und gehen die Dinge an dir vorüber überall und zur gleichen Zeit
es macht keinen Unterschied wo du dich befindest

 

∗ ∗ ∗

 

 

8.

unsere Krankheiten sind meistens politische Krankheiten

ein Glutofen und die Mücken eine wahre Plage wo ein Jahr soviel zählt wie anderswo fünf ist der beste Schlafplatz am Rand des Meeres in der Wüste

faszinierend dem Fluss der Gedanken zu folgen im Zustand der Erregung

die Spucke der Mutter im gestriegelten Haar von Wüsten und Ozeanen nicht auszuwaschen

ausgehend von der Notwendigkeit einer neuen Rhetorik

der König ist nach Entotto zurückgekehrt mit Atos Petros als Zeremonienmeister Antonelli liegt mit Syphilis in Lit-Marefia nieder Antoine Brémond gibt seinen Neugeborenen Milch in Alin Amba Bidault fotografiert in den Bergen Harar’s Stéphane liegt ausgestreckt in der Gosse vor unserer Tür

gibt es noch jemanden der sich so langweilt das Leben so unsagbar satt hat

selbst nachdem man ihm ein Bein abgenommen hat ist er für die Behörden ein insoumis

die Desinfektions- und Isolierungsapparate eines restriktiven Gesellschaftskörpers

man erkennt eine grosse Müdigkeit und den Willen nicht aufzugeben wenn auch nicht ganz klar ist für wen oder für was

Freiheit ist kein Zustand und kann demnach nur in Bewegung erreicht werden

wenn die Geschäfte augenblicklich nicht zum Besten bestellt sind darf man aber nicht in Hektik verfallen
die Kapitalakkumulation liegt in der Logik von Konkurrenz und Klassenkampf

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