READING LIST [08/2017]

Atlantic Drift; An Anthology of Poetry and Poetics
Francois Dosse; Gilles Deleuze, Félix Guattari
Maurizio Lazzarato; Marcel Duchamp and The Refusal of Work
Bertolt Brecht; Arbeitsjournal
Étienne Balibar; The Philosophy Of Marx
Pier Paolo Pasolini; The Selected Poetry Of Pier Paolo Pasolini
Pier Paolo Pasolini; Unter freiem Himmel
Collected Works of Velimir Khlebnikov
Sean Bonney; Letter Against the Firmament
MÜTZE # 16 URS ENGELER (Robert Kelly, Jerome Rothenberg, et al.)
Georg Baselitz, Alexander Kluge; Weltverändernder Zorn
Ellen Meiksins Wood; Das Imperium des Kapitals

COCYTUS

Erinnere dich an die Lücke im äussersten Kreis
des Kessels (dem aus Eis erzeugten von Luzifers
Schwingen) wie wir hinausgelangten still und
flink wie eine Maus und mittels einfacher metakognitiver
Strategien die Regeln des Marktes begriffen /
die Liebe des Geldes zum Konsumenten und wodurch
Abhängigkeiten kollabieren, als sei asymptotisches Verhalten
dazu bestimmt [was ein Leben durchglüht,
/ und erst allmählich lässt das Schmerzen der Lunge der Tränenfluss nach,
nicht zu klären warum man zittert und warum nicht /
wenn sie sagen: denke analytisch vertraue den
gewählten Vertretern [dem Rasiermesser an deiner
Kehle – nein, der Rauch verzieht sich nicht / diesen
inneren Aufruhr – unsere Centralsonne – wenn nötig bis zur
Tollheit forcieren /
wenn diese zugedachte Art von Gefallen nichts anderes
als einer Beleidigung gleichkommt / unnötig zu sagen
dass Vampire keine Ruhe geben, „Megären mit großen
Mähnen aus Kot” so stehts bei Pasolini / also übt man
sich weiter im Beiseitefegen tausender Gerippe von
Bleiche zerfressender Bitten und Klagen, jene kühlen
analytischen Blicke unter weissen Laken / der Verstand
lahmt aus Angst vor Fehltritten: Schrecken ist ein Ausfluss
der Tugend


[träumte von Brokern in Flüchtlingsschiffen abgegriffene
Takelage abgezockter Trader die ihre salzzerfressende
Haut dem Abendlicht zuwenden / und dann aus
zunehmender Entfernung das Angelusläuten der
abkehrenden Rettungsboote / zurückgezogen von
den Tageskämpfen ist der Sommer zum Kotzen

 

POSITIONEN [Hamburg im Juli]

das Bild eines jungen Terroristen vor Augen, hypersensibel
reizbar, der sich auf einen Stuhl setzt als besteige er ein Motorrad /
man sagt Majakowski habe mit dem ganzen Körper all seinen
Sinnen den in ihm abgelagerten Eindrücken geschrieben [von
grausamer Lust gepackt nie in politikfreie Zonen ab-
drängen lassen —
vom Ende seines Lebens begriffen wie schief vieles von Anfang
an gelaufen wie der Ring durch die Nase des Bären des Erdballs
– nichts was man lange aushält

aber hier im Zentrum des Handels kann nicht jeder Fluchtver-
such gestoppt werden / dezentrale Angriffe nach
Sonnenuntergang, semiotische Wucherungen von Bullshit
[Metzeleien in der Sternschanze / an allen Ecken der Welt
heftig treten sie unseren Losungen in die Kehle & also stets
die gleichen repressiven Techniken nach Kontrollverlust
— ein Befehl, ein Werk kann aus 1 Wort bestehen

dein Zorn bleibt dir im Hals stecken aber sie sagen: kein
Notfall / ein Spiel auf den Wahnsinn / du läufst blau an &
sie sagen: morgen um acht! — Poesie muss aus der Zukunft
kommen seit öffentliche Reden verboten sind / keine falschen
Sympathien: du wirst dich besser fühlen

trotz allem Sehnsucht nach einer feinen Kugel dem Messer
das unsere Adern in Schwingung versetzt gilt weiter & der Durst
nach einem radikalen Bruch [die Art und Weise in der wir
antworten kann nur monströs sein —

verfeinern wir unsere Taktiken: Ohrfeigen dem öffentlichen
Geschmack, Kameraden, wir sind also das Gesicht der Zeit /
wir & unser köstliches Geschrei gegen euren Trauermarsch,
unzählige Flashbacks am Himmel [wie töricht zu glauben
jemand suche dieses Land freiwillig auf / die Spiesser-Zungen
hängen euch zum Hals heraus & unser Hass gilt euren Floskeln,
dem Faschismus eurer Herzen

werden jene die täglich mediale Verlautbarungen von sich geben
wieder zum Denken zurückkehren? werden sie je begreifen was
um sie herum geschieht?
Fakt ist: es gibt weiterhin nur geringfügige Verschiebungen [seit
Majakowski’s Marxismus als Waffe: ein ganzer Chor & kein
Wort von Elektrifizierung