Rote Fahne

fullsizeoutput_1241

Geschichten die man versteht, sind nur falsch erzählt. Bertolt Brecht;  Baal
Ihr wißt genau, dass wir Ausbeuter sind. Jean-Paul Sartre, (Vorwort zu Die Verdammten dieser Erde; Frantz Fanon) 

 

Es ist die mit Dreck und Tradition belegte Zunge
die mir zum Hals heraushängt
es ist eine kleine rote Fahne
und ein schwarzer Mund voller Dämonen
die morbide Symptomatik kotzfarbener Opferkrüge
Erbrechen und Fluchen
es sind die Gesetze, die mich mit ihrem Geschmack nach Rache verfolgen
es sind die Vorgaben, was zu tun ist, die nerven, der moralisierende Dilettantismus —
wartet nicht auf mich …

ich bin keine Ratte, aber meine Laune könnte gerade besser sein.

 

Ja, ich weiß, der Reisende zieht die Notbremse, um der Notwendigkeit einer Revolution Ausdruck zu verleihen. Und bewundert das kalte Blut des Aufständischen. Einzig der Gedanke an die kommende Revolution umtreibt ihn. Er betritt eine Wüste. Mit brennenden Augen. Verfolgt. Wird verfolgt. Die Camouflage der OMON-Polizei. Träume vom falschen Ende. Eine neue Art der Sonne. Eine Zweite. Gestohlene Waffen, defekte Zünder, die ihm die Hände wegreissen. Sprengstoff und endlose Resolutionen. Hunger und Frost. Das Gebrüll der Neofaschisten. Das Monster der Kälte, dass uns mit seinen drei Augen unablässig mustert. Während man von gestohlenem Petroleum lebt. Den Lichtstrahlen vor den Speeren des Frosts. Nächte im roten Licht der vier Monde. Der Engel der Geschichte. Die schlimmsten Befürchtungen werden wahr. In der zu Eis erstarrten Dunkelheit. Das aber auch. Die Brandrodungen der Großstadtbewohner, die durch leerstehende Häuser ziehen. Vom Erdgeschoss bis unter das Dach. Die Reste ihrer Habe verheizen, um nicht vor Kälte zu verrecken. Und durch ein Loch, das sie in die Böden, der jeweils darunter liegenden Wohnungen schlagen, ihre Exkremente entsorgen. Gespräche mit Toten. Denen man die falschen Fragen stellt. Die Scheisse aus dem Leib prügelt. Man beerdigt sie nicht. Sondern legt sie in die verwaisten Häuser. Fernab der Würmer. Das Blut. Das in Eis-Blöcken blau-silbern glänzt. Zerschundenes Herz im Quadrat. Während der Frost den Menschen jedes einzelne Korn aus der offenen Handfläche pickt. Ein Frost, wie eine Sintflut. Elemente, die sich immer wieder neu fügen. Keine Klarheit, auch hundert Jahre später nicht. Man staunt, was als Nächstes kommt. Unendliche Reproduktion gleicher Exemplare. Von Sekunde zu Sekunde, von der Geburt bis zum Tod. Schliesslich die gerade Linie der Geschichte. Ein poetischer Impuls. Die gezackten Eissterne durchschossener Fenster. 

 

Ich sollte aufwachen, ich sollte mir das Erbrochene aus dem Gesicht waschen.  Ich sollte die letzte Nacht lieben oder hassen. Giesse flüssiges Eisen in deinen Schlaf. Ich habe anhand ihrer Karten die Schliessung neuer Flüchtlingsrouten ausmachen können. Fabrizierte Notstandsgesetzte für die nächsten zehntausend Jahre. Polizeiterror wird eine glänzende Zukunft vorhergesagt. Ich sollte an Benjamin denken, der die Pyrenäen überquert, seinen Körper aus der Dunkelheit erhebt. Ich habe die feisten Geier blinzeln sehen. Ihr schiefes Lachen. Ich habe dankend abgelehnt. Ich begrabe die, die man aus dem Wasser zieht unter meinem Bett. Ich sollte aufwachen, mir das Erbrochene aus dem Gesicht waschen. Ich sollte noch zorniger als Galina Rymbu sein, wenn sie über den toten Körper Politik schreibt. Verbrannte Gesichter in schwarzer Erde. Unsere Augen sind mit Blut gefüllt. Grosse hässliche Narben verbinden Nationen miteinander. Präsidenten, die wie Bandenführer auftreten. In allem steckt die Möglichkeit es nicht zu sein, aber du siehst ihren Kopf in der Mikrowelle. Und unterhalb der Mauer des Moskauer Serbski-Instituts ein abgeschnittenes Ohrläppchen, sich des Traumas nicht bewußt oder als bräuchte es für die Segregation innerhalb einer Gesellschaft bloß eine Linie, die Fiktion einer Grenze. Du solltest ehrlich zu dir selbst sein und begreifen, dass Rettung nur eine Idee für Sklaven ist. Ich sage der Himmel ist weit und gelb und violett. Der Himmel ist voller Raubvögel. Ihr Geschwätz von identitärer Heimatkunde macht mich krank. Mein Gesicht schwillt an, die Atemmuskulatur verkrampft. Ich schnappe nach Luft. Kein Sterbenswörtchen!
Verpisst euch in eure Zeltdörfer und Protestcamps, schreien sie. Ihr seid tot! Und mit ihren herabhängenden Fahnen verdecken sie deinen aufragenden Schwanz, der ins Offene zeigt. Ich bin ein Biest, täuscht euch nicht. Die Menschen verrohen und laufen wie Tiere herum. Aber du bist lebendig. Du musst leben, wirf endlich Feuer in diese tote Maschine. Der Staat packt dich bei den Eiern. Betrachte Zukunft in einem Rahmen aus FEUER! Dein Blut brennt. Kocht in deinen Backen. Trenne dich von deinen Schimären. Antidepressiva und Psychotherapien sind für den Arsch.
Es gibt keine einfache Sprache, während einem die Eingeweide brennen.

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out /  Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out /  Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out /  Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out /  Change )

w

Connecting to %s